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Dienstag, 7. Juni 2016

Mit leichtem Gepäck

Wie ich als begleitender Gitarrist nach Irland reiste, um zwei Konzerte im Rahmen des International Dublin Gay Theatre Festival 2016 zu spielen.

Aus einer Zusammenarbeit am englischsprachigen Gießener Keller Theatre erwuchs eine kleine musikalische Projektarbeit, die drei Konzerte umfasste: ein Warm-Up auf Gießens Kleiner Bühne und zwei in Dublins Cobalt Cafe.

Vom Traum der Menschheit und grenzenloser Freiheit

Mein letzter Flug lag etwa 14 Jahre zurück, und ich begann meinen Reisetag mit einiger Vorfreude auf die Wolkenlandschaftschau, die mich während des Flugs staunen lassen sollte. Was ich stattdessen während der gut zwei Stunden dauernden Flugzeit erblickte, war dieses blöd grinsende Gesicht im Sitz vor mir.



Zugegeben, es ist meiner Höflichkeit geschuldet, dass ich meinen reservierten Fensterplatz zugunsten einer älteren Dame aufgab, die die Sitzreihe mit ihren Verwandten für sich in Anspruch genommen und meinen Fensterplatz wohl versehentlich mit übernommen hatte. Ich wich auf den ihr eigentlich zugewiesenen Sitzplatz aus. (Offensichtlich ist Sitzplatzverwechselung kein Einzelfall, weswegen die Flugbegleiterinnen deutlich daraufhinweisen, nur die eigenen Plätze einzunehmen.)
Bei meinen Beobachtungen während des Fluges, stellte ich fest, dass die meisten Reisenden entweder auf ihrem Smartphone herumwischten, gelangweilt Hochglanzmagazine blätterten oder schliefen. Nach 14 Jahren reise ich mit einem Flugzeug, dieser bemerkenswerten Errungenschaft menschlicher Ingenieursleistung und sehe nichts von der Welt! Stattdessen werde ich von diesem Sitz vor mir beobachtet. Versuche ich den einen oder anderen Blick über meine Sitznachbarn hinaus durch das kleine ovale Fenster zu werfen, fühlen die sich sogleich angestarrt, und das Fenster verbirgt mehr, als dass es zeigt. Das Sitzgesicht grinst mich weiter blöde an, als freute es sich hämisch. Danke Sitzdesigner, Du hast Dir sicherlich lange Gedanken gemacht, um einen so freundlichen Sitz zu entwerfen.
Mir kamen zwei naheliegende Erklärungen für die kleinen Fenster. Zum einen mag es konstruktionsbedingt notwendig sein, die Fenster klein zu halten. Das müsste ich recherchieren, da mir das ungewöhnlich vorkommt, da das Cockpitfenster schließlich auch groß und frontal gegen den Luftwiderstand ausgerichtet ist. Naheliegender scheint mir, dass findige Psychologen, die sich mit flugängstigen Passagieren beschäftigten, in ausgefeilten Studien herausgestellen konnten, dass kleine Fenster die Aufmerksamkeit der Fluggäste weniger auf sich ziehen und diese somit mehr Zeit mit ausgelegten Duty Free-Shoppingmagazinen verbringen und sowohl an Bord als auch am Flughafen freudiger Einkaufen. (Und sei es nur um sich für das brave Überleben des Flugs zu belohnen.)
Der dritte Grund traf meine Gemütslage besser. Er liegt in der boshaften Ironie menschlichen Schaffens, der großen Pläne und deren Ausführung: die Pioniere, Ingenieure und Designer entwarfen das Flugzeug, um die Welt von oben zu bestaunen, ihre Geheimnisse zu erforschen, den Zauber des Fliegens zu erfahren! Und all das Schaffen gipfelt in einem Flugzeug, das viele Menschen durch die Lüfte und über die Welt befördert und die Reisenden von allem nichts sehen lässt.

In Dublin angekommen, wurde ich erwartet und lernte das irische Busfahren kennen. Das unterscheidet sich vom Gießener Busfahren folgendermaßen. Beim Einstiegen grüßt man sich gegenseitig und verabschiedet sich beim Ausstieg. Gegenseitig meint hier den Busfahrer und die Fahrgäste. Und ich rede von Irland. In Gießen grüßen Busfahrer nicht. Man weiß nichtmal, ob sie überhaupt sprechen. In Irland warten Busfahrer auf zur Haltestelle eilende, schwere Taschen tragende, potentielle Fahrgäste. Allerdings sind Gießener Busse pünktlich. In Irland wartet man tatsächlich auch mal etwas länger auf den Bus, weil sich die Busfahrer noch beim Eis in der Sonne miteinander unterhalten. Das erinnert mich an eine Anekdote über eine Berliner Postfiliale, in der es für die Mitarbeiter eine Tischtennisplatte gegeben haben soll. Von den vielen Serviceschaltern wurden nicht alle besetzt - und konnten nicht besetzt werden, weil die entsprechenden Mitarbeiter noch in einem Tischtennismatch gebraucht wurden.

Eine weitere Kuriosität des irischen Straßenverkehrs ist das Geheimnis der Ampeln. Autofahrer, so sehr sie auch eilen - wie Taxis es vermutlich überall auf der Welt tun - halten an roten Ampeln, während irische Fußgänger immer und überall die Straße überqueren, sofern gerade keine Autos fahren oder sie eine Lücke geschickt ausnutzen können. Touristen erkennt man daran, dass sie in Dublin an den roten Fußgängerampeln auf grün warten.

Nachdem das Gepäck in dem kleinen Bed&Breakfast abgestellt worden war, ging es auf erste Erkundungstour durch die Straßen Dublins, zum Ticketpopupshop des Festivals, zum Cobalt Café, um den Aufführungsort kennenzulernen und Absprachen zu den Aufführungen zu machen. Dann wurden Veranstaltungen des Festivals besucht. Irish Pub Food.

Der Gießener Gig erfolgte mit E-Gitarre und Gesangsverstärkerung, während für Dublin ein verstärktes Akustikgitarrenset, Gesangsverstärkung und ein professioneller Tonmensch zugesagt war. Wie sich wenige Tage vor Anreise herausstellte gab es von all dem nichts, weswegen die Auftritte komplett unverstärkt stattfanden. Die Akustikgitarre wurde vor Ort geliehen.
Ich bin E-Gitarrist. Akustikgitarren spiele ich so wie ich E-Gitarre spiele: mit den Fingern. Der Unterschied zwischen beiden Instrumententypen ist die Übersetzung der Fingerarbeit an den Saiten. Mit gefallen die Gegebenheiten und Möglichkeiten der E-Gitarre mit ihrer Verstärkung und Klangveränderung besser als die der Akustikgitarre.
Es freute mich daher, dass so viele Gäste anschließend auf uns zukamen und sich für die Musik bedankten.

Montag, 25. Mai 2015

Wowed by Teresa (Teresa Bergman Trio im Café Amélie)

 Teresa Bergman (vocals, guitar), Alex Skoczowsky (drums - off picture), Frank Schulze (bass)

24. Mai 2015 in Gießen. Nachmittags Grillen, abends ins Café Amélie, um mit Freunden zu plaudern und nebenbei etwas Musik zu hören. Singer-Songwriter Auftritt einer neuseeländischen Künstlerin unterwegs in Berlin und durch Deutschland. Nur vorher einen kurzen YouTube-Clip gesehen: Smartphonekameraaufnahme beim Busking in Berlin. Nach einer halben Minuten ausgemacht. Klingt okay für einen Plauderabend mit Musik.

Im Amélie angekommen, erstaunlich ruhige Stimmung. Teresa Bergman spielt Akustikgitarre und singt. Angenehm ausdrucksstark. Wir setzen uns nach vorne. Kurz darauf gesellt sich ein Bassist zur Sängerin und ein Schlagzeuger.

Und dann BÄM!

Ab da an keine Plauderei mehr. Nur Zuhören. Da sind drei Musiker, die miteinander spielen, sich bewegen, das Publikum einbeziehen und großartig in diesem kleinen Rahmen Musik machen. Texte auf Deutsch und Englisch, Jams zwischendurch, Call and Response zwischen Stimme und Bass und total tolles Schlagzeug. Und Ausdruck in der Bewegung!

Nach dem Auftritt Plauderei mit den Musikern und Besuch im Domizil, wo von manchen die aufgelegte elektronische Tanzmusik angemessen rezipiert/getanzt wurde: Wie die Zombies, zum ewig gleichen Beat.

Teresa Bergman Website mit Tourdaten und Albuminformation

Geht hin, hört zu, tanzt mit! Die sind großartig.

Freitag, 9. August 2013

Am Leben Forbei - Auf Tour mit neuem Album

In der Hitze der Alten Kupferschmiede.
am leben forbei und mittendrin.

Am leben forbei sind Gießener Lokalhelden. Wer sie noch nicht gehört hat, dem fehlt ein Stück Kulturkenntnis bezüglich dieser Stadt. Sie gehören zu dem jungen studentischen Gießen, dass an den vielen Ecken sprießt, an denen man zwar im Alltag entlang kommt, aber selten vermutet, dass dort Kultur geschaffen werden könnte.
Gießener Studierende beschweren sich hin und wieder, es sei nichts los hier, Marburg sei schöner, Frankfurt leider zu weit weg. Dabei gibt es sie, die erlebenswerten Orte, die Gelegenheit zu Begegnungen mit Wahlgießenern und Gestrandeten bieten.
Wer Schokolade mag, kommt sicher an der Alten Kupferschmiede vorbei, denn die Gießener Chocolaterie ist direkt gegenüber bzw. die Alte Kupferschmiede ist quasi um die Ecke. Aber unscheinbar und leicht zu verpassen.



Das Auftaktkonzert zur Akustiktour 2013 fand dort an einem heißen Spätsommertag statt. Möglicherweise brachte die Vorband Massenger das Wetter aus Kalifornien mit. Die spielten Rockmusik und brachten jeden alten Ziegelstein des Gebäudes zum Wackeln.
Am leben forbei lud soweit möglich zum Sitzen ein. Bei sauna-ähnlichem Klima und guter Laune.
Gespielt wurden bekannte Titel und Stücke der kürzlich fertig gestellten EP.

Die neue EP hat fünf Titel und wurde von den Musikern selbst produziert. Dazu gibt's selbst entworfene Visitenkarten, Songbücher mit Texten, Bildern und Begleitakkorden und handbedruckte Jutebeutelrucksäcke. Die Songbücher sollen ausdrücklich zum Covern anregen. Gecoverte Songs seien auf Vimeo und/oder YouTube hochzuladen. In die Jutebeutelrucksäcke kommt alles, was einem lieb und wichtig ist.

So, klingt ein älteres Stück im Original:



Mir gefällt

die unaufdringliche Musik, die Stimme, die Band in ihrem Zusammenspiel und die friedliche Atmosphäre, die sie schaffen. Und da muss ich den ersten Satz schon zurücknehmen, denn die Musik ist eben nicht unaufdringlich - sie ist gemütsergreifend: am leben forbei an und still freuend zugehört.

Jetzt sind sie erstmal weg. Auf Deutschland Tour - und es dürfte nicht die einzige bleiben.

Tourdaten 2013

05.08.2013 Gießen, Alte Kupferschmiede
07.08.2013 Halle, Open Air
08.08.2013 Leipzig, Cafe Könntemann
09.08.2013 Berlin, Intersoup
10.08.2013 Berlin, Peppi Guggenheim
11.08.2013 Berlin, Ma Thilda Bar
13.08.2013 Lübeck, Tonfink
24.08.2013 Halle, Peißnitzhaus
06.09.2013 Gießen, Alte Kupferschmiede w/ Hello Piedpiper (solo)
08.09.2013 Hanau, Bürgerfest
15.09.2013 Wuppertal, Kontakthof (solo)
22.09.2013 Aachen, Songslam (solo)
05.10.2013 Darmstadt, Kroneslam (solo)
09.10.2013 Gießen, Poetisches Wohnzimmer @ Alte Kupferschmiede
10.10.2013 Siegen, Kunst gegen Bares (solo)

Sonntag, 4. August 2013

Die Schönheit der Natur

"Ich saß im Garten und betrachtete Schmetterlinge, Bienen und Hummeln, Ameisen und Käferchen und dann fiel mir auf, dass ich sie beobachtete wie sie flogen und krabbelten und suchten und fanden, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Wie kann es da noch verwundern, dass manch ein Mensch sich hinsetzt und Genuss daran findet, anderen Menschen bei eben diesen Tätigkeiten zuzusehen. Es ist doch ein schönes buntes Treiben."

Mittwoch, 18. April 2012

Kleine schöne Dinge am Tag

"Nachts vor dem Schlafengehen
schick machen
und im Flur tanzen
und dann lachend ins Bett fallen."

Der Alltag kann langweilig sein

Was machst Du, um zu langweilige Phasen aufzulockern, die Langeweile nicht auf die Stimmung schlagen zu lassen?
Wenn man zum Beispiel seine Thesis für die Uni schreibt und aus festgefahrenen Gedankengängen nicht hinauskommt, sind kleine schöne Dinge, die den alltäglichen Tagesablauf unterbrechen, eine Möglichkeit aufzuhorchen und durchzuatmen.
Die festgefahrenen Gedanken sitzen dann zwei Meter abseits und können in Ruhe betrachtet werden, wie diese kleinen Labyrinthrätsel in Zeitschriften. Die sind leichter zu lösen, wenn man sich nicht im Labyrinth befindet, sondern sie aus der Vogelperspektive betrachtet.

Und dann: Der Tag läuft nicht ab. Ich laufe den Tag ab und wenn mich das langweilt, gehe ich andere Wege. Bleibe dort stehen, wo ich noch nie stehenblieb und sehe mich um, damit ich neue Eindrücke sammle ohne mein Ziel aus den Augen zu verlieren.

"Morgens, mit einer Tasse Tee
auf der Wiese
und dann hinein
E-Mails lesen."

Donnerstag, 5. April 2012

Vektorkritzel: Kunst oder nicht! Hauptsache eena kooft es.

"Kunst oder nich'. Hauptsache eena kooft es." (ald)
Also, kieken und koofen.

Kunst oder nicht.

Seit einer Weile wandert der Spruch "Ist das Kunst oder kann das weg?" durch die Komikerlandschaft und wird gerne als Kommentar gebraucht, z.B., wenn die Schimmelpilze die Herrschaft über den Abwasch der letzten Gemüsepfanne an sich gerissen haben.

Es schwingen zwei Dimensionen einer unbrauchbaren Sache mit: das Unverwertbare als Müll und das Unverwertbare als Kunst.

Tatsächlich sieht es anders aus: Müll wird weggeworfen, gelangt in den Müllhandel und wird wieder-, zumindestens weiterverwertet. Kunst bleibt. (Müll auch, aber das ist in diesem Text nicht der Punkt.)

Ist das Kunst? Und wenn nicht, wie kommt es weg?
Kunst bleibt.

Und man muss sich irgendwie damit arrangieren, dass sie bleibt. Z.B. kann man ein Picknick im Schatten der Plastiken im Park machen, oder man macht einen großen Bogen um Museen und Ausstellungen, weil sie gähnend langweilig sein können, oder trifft sich zur gemeinsamen Interpretation von Gedichten.

Manchmal stört Kunst gewaltig. Dann wirft man ihr Chaos vor und versucht sie zu bändigen, in dem man sie an einen sicheren Raum mit anderer Kunst stellt, wohl wissend, dass dort nur wenige hingelangen wollen.

Oft ist Kunst nur ein diffuses Etwas, ein Ding, das in der eigenen Vorstellung wabert wie ein großer Kleisterklumpen in der Schwerelosigkeit einer verrückten Landschaft. Man kann Namen damit verknüpfen und erinnert sich an Picasso, Rembrandt, Beethoven und andere Maler, die ihre Köpfe aus dem Kleisterklumpen stecken und sich leise beschweren, das noch irgendein Auftraggeber seine Rechnung nicht beglichen habe.

Man weiß, dass es Bilder, Skulpturen und derlei gibt, die von Experten als Kunst bezeichnet werden und wundert sich selbst, was so besonders daran sei. Wirft sich gelegentlich fehlende Ahnung vor oder betont, man könnte das besser. (Was gelegentlich sogar stimmt. Das hat nur mit der Sache nichts zu tun.)

Was ist Chaos? Was ist Kunst?
Was ist Ordnung? Wer fragt und wer antwortet?

Manch einer erinnert sich an Kunstunterricht oder Freizeitmalerei, Comicversuche und Bastelarbeiten. Kleine Geschenke, die man einander gemacht hat und die wertvoll bleiben unabhängig des Staubes, den sie sammeln.

Die Dinge, die geschaffen wurden, bewahrte man eine Weile auf und einige ausgewählte Stücke trägt man mit sich, legt sie an einen besonderen Platz in der Wohnung. Sie werden zu Dingen, die bleiben. Dinge, die man behält.

Sie sind Teil des eigenen Lebens und Schaffens. Es mag sein, dass andere kommen und sie weiterverwerten wollen, sei es, um sie dem Wiederwertungskreislauf zuzuführen oder um sie gegen Bezahlung in die eigene Wohnung zu stellen.

Es kann sogar sein, dass jemand die Dinge in ein Museum hängt. Und dann bezahlen Leute Eintritt, um das Ding im Museum zu sehen. Was ist dabei der Unterschied, wenn ein Bild im Museum hängt, oder ein Haufen Altpapier, der als "Installation alter Neuigkeiten" betitelt wird?

Es scheint gerade so, als ob der Umgang der Menschen bestimmend ist, ob die Dinge als Kunst oder Müll betrachtet werden.

Die Wahrheit und die Kunst.
Mal so tun, als ob.

Vielleicht ist dann zunächst nicht die Frage wichtig, ob das und was eigentlich überhaupt Kunst sei, sondern, was ich mit den Dingen anstelle:
  • Ansehen, weil es mir gefällt. 
  • Ein Foto von machen, um es zu versenden. 
  • Ein T-Shirt mit dem Motiv bedrucken. 
  • Mit Freunden um die Skulptur im Park zur Lieblingsmusik tanzen. 
  • Vor dem Bild im Museum stehen und singen.
  • Alte Briefe von lieben Menschen aufbewahren und heute nochmal lesen.
Oder den Abwasch machen und den Müll rausbringen.

# An dieser Stelle wollte ich den Text beenden. Mir fiel beim Korrekturlesen auf, dass ich bei allem Augenzwinkern noch mit Ernst hinzufügen möchte: Das Schaffen, Bewahren, Sammeln und Archivieren von Dingen ist eine wichtige Tätigkeit. Auch die Auswahl von all dem. Und wenn aus verschiedenen Gründen nicht viel bleiben sollte: "Ich halte in meinen Händen ein Kleinod, wie das letzte Sandkorn Fantasiens und erzähle daran Lebensgeschichte."

Freitag, 28. Oktober 2011

Reisetiere, Zen und der Verlust der Jugend

Notizen im Sonnenlicht.
Geheimnisvolles

Nach der ersten Begegnung mit Passagieren der Travel-O-Fanten recherchierte ich nach der Designerin Claire Mux in großen und kleinen Archiven und Bibliotheken und erkundigte mich bei Wolpert&Glück. Sie entwarf noch andere kybernetische Tiere. Kleine Wegbegleiter für den Alltag wie die Schildkröte, die mächtigen Travel-O-Fanten der Überlandkarawanen und die bunten Walfamilien für Ozeanreisen.

Notizen über die Designerin Claire Mux
und die Gerüchte eines geheimen Ortes,
zu dem ihre kybernetischen Tiere eines Tages wandern werden. (ald)
Kugelschreiber und Aquarell. 

Gerüchten zufolge, sind alle ihre Tiere mit einem versteckten Navigationssystem ausgestattet, das ihnen den Zutritt zu einem geheimen Ort ermöglicht. Manche behaupten, es sei eine Art Recycling-Friedhof, andere phantasieren von großartigen Schätzen.
Die PR-Abteilung der Firma Wolpert&Glück dementierte sämtliche Gerüchte über Schätze und erklärte, dass die Tiere mit einem Peilsender ausgestattet sind, der es erlaubt, ihren Status abzurufen und sie weltweit zu lokalisieren, um gegebenenfalls Reparatur- und Bergungsarbeiten vorzunehmen. Thomas Wolpert Jr. amüsiert sich gerne über Geschichten: "Natürlich können die Tiere weltweit zurückgerufen werden, so dass an der Idee des Recycling-Friedhofs irgendwie etwas dran ist. Das einzige Geheimnis, das Claire Mux in ihren Tieren versteckt hat, ist der imaginative Zauber, der sie zu so wunderbaren Begleitern macht."

Eine kleine Schildkröte als Reisebegleiterin (ald)

Sicher ist, dass die Geschichten die Phantasie beflügeln und so manchen Reisenden als Amateur-Schatzsucher in die Wildnis geschickt haben. Ein Umstand der schon längst von Reise-Agenturen für Marketingzwecke entdeckt wurde.

 Abends unterwegs - ein Travel-O-Fant (ald)
Mir sieht er zu elefantig und zu wenig o-matisch aus.

"Lotterie zu spielen ist zwar billiger, belohnt aber nicht mit einer solch bemerkenswerten Reise-Erfahrung. Die Gewinnchancen auf den Jackpot sind dabei nahezu gleich hoch," erklärte Gunild Hobelspan von der Silberwind Reise-Agentur im Interview zu einer ihrer jüngsten Kampagnen, die sich besonders an Menschen in der Mid-Life Crisis richtet.

[Was für eine gelungene Überleitung.]

Der Verlust der Jugend

Die folgende kleine Sequenz entstand während ich über die Vergänglichkeit eines Backenzahns nachdachte, den mir Karies und Baktus, eine alte Plombe und ein Taco-Chip in verschwörerischer Zusammenarbeit zertrümmerten und der letztlich gezogen wurde.

"Youth is lost only if you think of it
as possession." (ald, 26.10.2011)
Kugelschreiber und Aquarell
im kleinen roten Notizbuch.

Die Wunde heilt, Gefühl und Geschmack sind beeinflusst. Das Sprechen ist ungewohnt, hört sich innerlich verändert an. Die Zunge muss sich neu orientieren, vermisst einen alten Mitbewohner, lernt einen neuen Umgang innerhalb ihrer Umgebung. Ob sich das aufs Denken auswirkt?

Vielleicht passt der Baum dazu mit seinem Astloch. Er wächst - und vergeht irgendwann in einer merkwürdigen Beständigkeit.

Baum. (ald)

Montag, 11. Juli 2011

8-Bit Sounds und "Digital Memories" von LukHash


Kürzlich bin ich auf Jamendo über das Album "Digital Memories" gestolpert. Tanzbare 8-Bit Mucke für den Gute-Laune-Schub in der Kaffeepause. Bürosesseltanz für alle!
Während man von den GameBoy-Musikern Pornophonique nach ihrem wunderbaren 8-Bit Lagerfeuer leider schon eine Weile nichts mehr gehört hat, gibt es von LukHash eine ganze Reihe 8-Bit inspirierter Alben.

8-Bit Forever

Seit einer Weile erfreuen sich sogenannte 8-Bit Remixes bekannter Titel einiger Beliebtheit. Die meisten von denen sind allerdings nicht mit originaler Soft- und Hardware komponiert, sondern entstanden aus MIDI-Dateien, die z.B. mit 8-Bit emulierenden VST-Instrumenten interpretiert wurden. Die meisten klingen genauso schrottig wie MIDI-Dateien einer Bach-Sonate über einen Soundblaster-Chip.

Andere Titel werden tatsächlich nachprogrammiert bzw. ge-tracked und die besonderen (eingeschränkten aber beliebten) Soundmöglichkeiten der SID-Chips genutzt. Manche Chipfans wollen den originalen Chip klingen hören, der die komponierte Musik in Echtzeit interpretiert. Für die ist die Software-Emulation eines SID-Chips ein Sakrileg wie die Saxophon-Synthese eines Keyboards für einen Jazz-Saxophonisten. Gelegenheitshörer mögen behaupten, es sei egal, wenn man nicht genau hin hört, die Melodie ist doch trotzdem schön...

Ein feines Beispiel für 8-Bit Sound und Musik ist der Titel Turrican von Chris Huelsbeck.



Wer sich für Tracking-Software auf modernen Computern interessiert, sollte sich Renoise ansehen und mit der kostenlosen Demo Musik komponieren. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Mittlerweile ist der Soundtrack von Computerspielen und die Geschichte der Computerspielmusik Forschungsgegenstand der Musikwissenschaft. Einen kurzen Einblick, wissenschaftliche Publikationen und Links kann man bei Karen Collins finden.

Donnerstag, 7. April 2011

Freak Guitar im KIG - Guitar Clinic mit Mattias "IA" Eklundh

Mattias IA Eklundh beim
Two-Handed Chord Tapping im KIG
 
Die Kulturinitiative Giessen e.V. (KIG) konnte den schwedischen Gitarristen Mattias IA Eklundh kurzfristig von der Musikmesse Frankfurt 2011 nach Gießen einladen, um eine sogenannte Guitar Clinic durchzuführen. Vor zwei Jahren war er schon einmal im KIG, führte seine besondere Spielweise vor, erklärte Spieltechniken, zeigte Übungen für das Spiel mit Harmonics und klatschte mit den Anwesenden in krummen Taktarten und erklärte Polythythmiken. All das mit meisterlicher Gelassenheit bei Freundlichkeit und mit Humor. Im vergangenen Jahr spielte er mit seiner Band Freak Kitchen das einzige Deutschlandkonzert in Gießen, das ebenfalls vom KIG initiiert worden war.

Aufbruch
Dank Olli von Spreading Miasma hatte ich von dem kurzfristig geplanten Event Kunde erhalten und entschied mich, zum KIG zu reisen. Das gute Wetter war für den Ausflug wie bestellt. Sonnenbrille auf, Stoffbeutel mit Apfelsaftschorle und nem Apfel als Reiseproviant mitgenommen und ab in den Bus.

Am Berliner Platz ein kurzer Aufenthalt in der Sonne unter'm Dino vor der Kongresshalle. Dann in den nächsten Bus in Richtung Europaviertel zum KIG.

Im Bus bemerke ich dann, dass mir der Reiseproviant abhanden gekommen ist. Das wäre der zweite Stoffbeutel, den ich innerhalb kurzer Zeit irgendwo verloren hab. Mist.
So, was, dachte ich? Ich dachte: "Dinge werden doch mal eine Weile irgendwo liegen bleiben können, ohne dass sie mitgenommen werden oder sich in Luft auflösen." Das ist wie in einem Computerrollenspiel, in dem man seine Ausrüstungsgegenstände, Klamotten, Brötchen usw. auch irgendwo liegen lassen und später wieder abholen kann, ohne dass fiese Monsterchen das Zeug in ihren Höhlen verbuddeln. Wenn das in einem Computerspiel geht, dann sollte es in dieser hochauflösenden Wirklichkeit doch auch funktionieren, oder?

Also, keine Panik und mit Vorfreude ab zum KIG.

Ankunft
"Hi, I'm Mattias IA Eklundh. I make strange music!"

Dort angekommen schaute ich mich etwas um, genoss die Abendsonne und betrat dann das KIG-Gebäude. Der alte Schwede saß an der Bühnenkante und plauderte mit den ersten Besuchern. Dann begrüßte er mich, wie auch jeden anderen, der den Raum betrat und bat mir einen Platz ein. Die erste Reihe blieb unbesetzt - wie in der Kirche.

Bevor es offiziell losging, unterhielt er sich mit uns, erklärte seine neue Apple Horn-Gitarre mit True Temperament Bundierung, seine einzigen beiden Effekte: ein Volumenpedal und ein Wah Wah und zeigte den Kindern in der zweiten Reihe wie man auf der E-Gitarre eine Autohupe und einen Elefanten nachmacht. Als ein Besucherhund herangeschnüffelt kommt, erzählt er von seinem riesigen Schäferhundwelpen, der mit seiner Nase immer in den Verstärker stupst, wenn er Gitarre spielt und mit Harmonics herumquiekst.

Nachdem der Veranstalter das Okay gegeben hatte, betrat Mattias Eklundh die kleine Bühne und begrüßte seine kleine Schar Gäste herzlich. Dann lud er zur Fragerunde ein. Jeder der eine Frage zu Spieltechnik, Stücken, Musik, Gitarren usw. hatte, erhielt Antwort. Dazu spielte er Stücke zur Demonstration und Unterhaltung (z.B. La Bamba) und erzählte Anekdoten aus seinem Musikerleben.

Regel Nummer Eins: "Do your own thing."
Zum Beispiel wie er mit 16 Jahren von der Schule ging und Musiker wurde. Und wie er dann regelmäßig in der Bibliothek saß und Musik studierte und Geschichte und Politik und allerlei anderes Wissenswertes, das sich über die Jahre in seinen kritischen Texten niederschlagen sollte. Dann empfahl er den anwesenden Kindern, Schülern und Studenten, die Schule auf keinen Fall abzubrechen, aber darauf zu achten, dass die Lehrer nicht ihrer Bildung im Wege stehen. Education is important, and school sucks. Oder so ähnlich.

Regel Nummer Zwei: "Grow your own moustache."
Außerdem dürfe man seine eigene Musik machen und neugierig durch die Welt wandern und von anderen lernen. Er erzählte von seinen Indienreisen und wie er dort mit Kindern auf der Straße spielte und sich selbst wie ein Trottel vorkam, wenn sie lässig ihre für Europäer ungewöhnlichen Taktarten und Rhythmen spielten. In dem, was man macht, soll man zu sich selbst finden und seinen eigenen Schnurrbart wachsen lassen.

Keep the Beat!
Nach der Indien-Anekdote war es Zeit, eine Einführung in krumme Taktarten zu geben und ein paar rhythmische Besonderheiten zu erklären. Ein musikalisches Mitmachspiel und ästhetische Erfahrung.
Wenn er sich dann selbst verspielte, dann erklärte er, dass das nunmal zum Leben dazu gehört. "Sometimes your underwear is dirty. Sometimes you mess up a song. That's part of life. But try to keep the beat."

Abschied
Nach etwa anderthalb Stunden auf der Bühne (und eine gute halbe Stunde davor) spielte er ein Stück von Frank Zappa zum Abschied und beendete die Clinic mit den Worten: "It's always a pleasure to play among friends." und eilte dann aufs Klo. Kein Wunder, dass er am Ende immer schneller gespielt hat...

Im Flur traf ich ihn wieder und bedankte mich für den schönen Abend.
Er meinte noch: "You seem like a dedicated guy. Save up for it and come visit the Freak Guitar Camp this summer. Sell your guitar, you can play mine."
Ich denk noch drüber nach. Für den Erlös meiner Gitarre komme ich vielleicht bis nach Hamburg ... Jedenfalls weiß er, wie man mögliche Kunden umgarnt. Erst ein Selbstbild stärken und dann das Angebot ausbreiten, dessen Ablehnung einer Schwächung des Selbstbildes bedeuten würde. Wir fallen ja so gerne auf Werbung rein ;)

Die Beständigkeit der Dinge

Nachdem ich mich so verabschiedet hatte, wanderte ich durch die Nacht in die Stadt. Dabei Gedanken über Kunst, Musik, Gitarrenspiel, Übungen usw.

Als ich zum Dino zurückkehrte, wartete dort mein Sylt-Beutel. Scheinbar unangetastet, denn wer traut sich schon an einen Dino ran? Braver Dino!

Objektpermanenz ist eine feine Sache. Man darf vertrauen, dass die Dinge beständig sind und in der Regel dort liegen, wo man sie zurückgelassen hat.

Mein Spruch des Tages, der mir irgendwann im Bus einfiel:

"Genius is easy to dismiss, while stupidity isn't." (ald)

Besten Dank an die Kulturintiative Gießen e.V.! Das war ein merk-würdiger Abend!

Freitag, 15. Oktober 2010

Diskursfestival - Exkurs 2010 werden zwischen sein

Das diesjährige Diskursfestival Gießen findet vom 14. bis zum 17. Oktober 2010 statt und wurde gestern im temporären Theaterbau 'Inverted Theatre' auf der Wiese Bismarckstraße Ecke Stephanstraße eröffnet.

Als Auftakt gab es eine Diskussionsrunde über die künstlerische Nutzung öffentlicher und halb-öffentlicher Räume, zu der die Kümmerei Gießen eingeladen wurde, die sich als künstlerisches Projekt zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Gießen u.a. um Leerstandsmanagement, Vernetzung und Beratung kümmert. Der ebenfalls geladene Präsident der Justus-Liebig-Universität Prof. Dr. Joybrato Mukherjee war leider krankheitsbedingt verhindert.

Die Kümmerei Gießen in der Steinstraße 75.
Ein Projekt zur Beratung für Kunst- und Kulturschaffende

Um 21 Uhr stellte das INSTANTatelier, das vom 3. bis 14. Oktober stattfand, die Performance NEUE UFER vor. Anschließend wurde zum Gespräch bei Musik, Cocktails, frischem Minz-Ingwertee und kleinen Happen in gemütlicher Atmosphäre in den Georg-Büchner-Saal in der Alten Universitätsbibliothek, Bismarckstraße, eingeladen.

Die in der Gießener Innenstadt zur Gestaltung durch Gießener
aufgestellten Logen wurden für den Theaterbau verwendet.
Manch ein Gießener hat dabei mitgewirkt
und weiß es noch nicht.

Vor kurzem im Seltersweg: kleine Loge zur Gestaltung.
Zitate, Grüße, Wünsche und Skizzen wurden von
den Gießenern hinterlassen.

Inverted Theatre: Links neben dem Spinnennetz ist der
mobile Wohnzimmerfotoautomat

Im Fotowohnzimmer
Spiegel und Kamera

Im 'Inverted Theatre' lernt man, was Liebe ist und kann rausschauen.


Im mobilen Wohnzimmerfotoautomaten:
Kitsch, Groschenroman und das Gefühl von falschem Zuhause

Bevor die Diskussionrunde begann, nutzte ich die Zeit, um ein paar Aufnahmen im mobilen Wohnzimmerfotoautomaten zu machen. Das macht Spaß und kostet nur 50 Cent.

Und während manche nach der Veranstaltung über NEUE UFER redeten, setzte ich mich zur Wasserfarbenmalerei auf den Teppich.
Ich kann nur empfehlen, in den verbleibenden Tagen den Theaterbau und die Vorstellungen zu besuchen und nachzufragen, mitzureden. Kaffee, Kuchen, Sitzmöglichkeiten, Fotospaß und Begegnungsraum sind gegeben.

Wasserfarbenmalerei bei Musik, Cocktails und gemütlicher Atmosphäre
im Georg-Büchner-Saal
Bunt, fröhlich, von Liebe und abgründig.

Samstag, 3. Juli 2010

Sturm und Klang Festival 2010 in Gießen

Ein verrückendes Wochenende

Ein Kommentar zu Erlebnissen während des Sturm und Klang Festivals 2010 an der JLU Gießen:

Ich will es nicht in Worte fassen.
Ich will davon bewegt bleiben.
Von unserer Lebendigkeit, unserem Tanz, unserer Liebe.

ald 27.06.2010

Freitag, 26. Februar 2010

Der Flummi im Klavier - Gießen Improvisers Pool - Konzertbericht

Gießen Improvisers Pool (GIP): Alte Universitätsbibliothek Bismarckstr. 37 - 26.02.2010

Das Trio von rechts nach links: Peter Geisselbrecht (Flügel), Georg Wolf (Kontrabass) und Frank Rühl (E-Gitarre)

Sie machen alles falsch, was Eltern und Musiklehrer bemängeln würden: der Pianist hämmert mit einem Klopömpel auf den Saiten des Flügels, der Bassist macht seinen Kontrabass quietschen und der Gitarrist hängt Krokodilklemmen an die Gitarrensaiten und spielt mit einer Murmel darauf herum. »Was bringt das denn?« Obertöne hervor.

Klangspielzeuge: Flummis, Pinsel, Klopömpel uvm.
Flummis unterschiedlicher Materialien klingen verschieden ...
Auch auf der Gitarre.
Ausprobieren!

Zwei Stuhlreihen für Gäste, davor drei Instrumente: ein Flügel, ein Kontrabass und eine E-Gitarre mit Verstärkercombo. Zwei Strahler beleuchten und markieren neben den Instrumenten den Bühnenbereich, in dem später die Musik gespielt wird. Draußen ist es dunkel, verregnet, eine gute Zeit, um sich zu setzen und Musik zu hören. Heiße Schokolade sollte angeboten werden. Es gibt Bier und Mineralwasser. Das Publikum setzt sich aus angegrauten Erwachsenen zusammen. Als eine Gruppe junger Erwachsener eintritt, wird eine dritte Stuhlreihe aufgestellt und gemeinsam wartet man auf improvisierte Musik. Kein Jazz, keine typische Bluesgitarrenimprovisation, sondern Neue Musik? Die ist garnicht so neu, wie sie immer heißt, aber in diesem Fall frisch improvisiert.

Frank Rühl mit E-Bow an der E-Gitarre

Der Gießen Improvisers Pool wird in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen feiern und begann die diesjährige Konzertreihe mit drei Stücken.
Die erste etwa halbstündige Improvisation erfolgte nach herzlicher Begrüßung der zuhörenden Gäste durch Frank Rühl. Während der Pause konnten zu Gesprächen und Plauderei über improvisierte und Neue Musik Getränke eingenommen werden. Manch einer riskierte einen Blick in das Spielzeugarsenal der Musiker und wollte nur allzu gern selbst einmal einen Flummi ins Klavier werfen. Anschließend spielten die Musiker die zweite Improvisation gefolgt von einer kurzen Zugabe.

Klangspielzeuge für die E-Gitarre: Handventilatoren, Bottlenecks, Fingerhut, E-Bow und Filz

Nicht nur das Zuhören, sondern auch das Zusehen macht Spaß und weckt die Lust, sich an eigenen Improvisationen zu versuchen. Man darf das. Spielen und ernsthaft spielen.

Schade nur, dass niemand wagte, aufzustehen und sich die improvisierenden Musiker von verschiedenen Seiten anzuschauen, ihnen auf die Finger zu blicken, oder durch eigene Bewegung im Raum unterschiedliche Hörperspektiven einzunehmen.
Es ist die angelernte ehrfurchtsame Lähmung: auf dem Stuhl sitzen und Gehorsam leisten, wenn man eigentlich singen, tanzen oder den Raum verlassen wollte!

Wer von der Hörerfahrung improvisierter Musik inspiriert werden möchte, hat dieses Jahr noch Gelegenheit bei weiteren Konzerten zu lauschen und darf sich nach Aussage des GIP auf einige Überraschungen freuen.

Ich kann es uneingeschränkt empfehlen. Es gibt viel zu hören.

Wie hieß der Spruch »Die Götter klappern mit dem Geschirr ...« ?

-ald

Mittwoch, 10. Februar 2010

Freak Kitchen - Land of the Freaks - Konzertkritik

Gießen, Hessenhalle 4, 06.02.2010

Wer unter Metal noch Krach oder punkigen Dilettantismus versteht, wird spätestens durch Instrumentalvirtuosen wie Mattias »IA« Eklundh (E-Gitarre, Gesang), Björn Fryklund (Drums) und Christer Örtefors (E-Bass, Gesang) eines besseren belehrt.

Das einzige Deutschlandkonzert ihrer Land of the Freaks Tour spielten die drei schwedischen Musiker der Ausnahmeformation Freak Kitchen in Gießen. Warum denn Gießen? Das Gourmetschmankerl zeitgenössischer Rockavantgarde wurde von der Kulturinitiative Gießen e.V. präsentiert, die schon im Vorjahr zu einem Workshop mit dem didaktisch versierten Gitarristen Eklundh eingeladen hatten und sich anlässlich der aktuellen Tour erfolgreich dafür einsetzten, dem hiesigen Publikum einen Einblick in die schwedische Küche zu gewähren.

Während sich die Gäste bei gekühlten Getränken vor der Bühne sammelten, mal laut, mal leise oder durch Fanshirts zur Band bekannten und sich auf das Programm freuten, schallten Rockstücke der Gegenwart aus der PA-Anlage, bis der Abend schließlich eröffnet wurde.

Als Vorspeise wurde die Marburger Band Complex7 gereicht, die wie heutzutage gewohnt schubladenfremden Metal auf hohem Niveau mit Headbangingimpuls und sozialkritischen Texten spielte.

Ein behelmter Bassist mit Stimme, Charme und Bühnenpräsenz.
Wie ebensolche Gitarristen leider eine Seltenheit.

Nach einer kurzen Umbauphase wurde Freak Kitchen unter Beifall angekündigt und die drei Musiker betraten die Bühne. Auffallend der nicht nur publikums-, sondern menschennahe Kontakt: Eine freundliche Ansprache des Gitarristen und Sängers, ein paar Späße des behelmten Bassisten, der Schlagzeuger dezent im Hintergrund. Menschen, die Musik machen. Freakige Vikingermusik, wie sie selbst immer wieder betonen.

Gespielt wurde ein Set mit Titeln sowohl des aktuellen Albums Land of the Freaks als auch bewährte und beliebte Stücke, die die Fans mitsangen, während Gitarristen die Spieltechnik bestaunten und das Equipment des Virtuosen aus der Nähe begutachteten. Seine Apple Horn Signature-Gitarren der Marke Caparison am Röhrenverstärker von Laney. Puristisch ohne Effekte, obgleich manch ein Zuhörer kaum glauben mag, wie man eine schlichte elektrisch verstärkte Gitarre zum Klingen, Heulen und Kreischen bringt. Dazu gibt Mattias Eklundh aufklärende Freak Guitar-Seminare und beschreibt seine Spieltechnik auf seiner Website.

Die Musik von Freak Kitchen mit Einflüssen u.a. aus Metal, Jazz, indischer Musik und Elektronik ist nicht hämmernd laut, sondern dynamisch und die Musiker bewegen sich mit dem Publikum angenehm zwanglos und unverstellt.



Mitklatschen für Fortgeschrittene gab es bei einer experimentellen Einlage handgemachter »Elektrobeatmusik« für Schlagzeug und Kelstone, einer Art Kreuzung aus Chapman Stick und lap steel guitar.
Viele Stücke der Meisterköche sind durch krumme Taktarten und ungewöhnliche Wechsel gekennzeichnet, die für Anhänger von Ozzy Osbourne, Lordi und anderen rockenden Schlagertruppen nur schwer mitzuklatschen sind. Und so wurde ein kurzweiliger Workshop zur musikalischen Weiterbildung des Publikums durchgeführt, nach dem das Eis selbst für den letzten Klatschmuffel gebrochen war.

Mitklatschen für Fortgeschrittene:
Christer und Mattias am Kelstone mit Dunlop WahWah-Pedal
bei experimenteller Musik und musikalischer Elementarlehre


Dass selbst herausragende Musiker sich verspielen können, ist bekannt und wird unter Beifall verziehen, weiß man doch das Handgemachte zu schätzen. So geschehen, wenn Mattias sich nach dem Mitklatschen für Fortgeschrittene im darauffolgenden Stück verzählt und seine Kollegen bittet, neu zu beginnen.

Nach dem Ende der Setlist verlangte das Publikum Zugaben. Die folgten prompt mit dem Kommentar, die Band sei doch nicht extra aus Schweden angereist, um ein einziges Deutschlandkonzert ohne Zugaben zu spielen.

Gut war es. Und in Gießen.

Die nächste Möglichkeit, Mattias Eklundh in Deutschland zu begegnen und an einem Workshop seiner Freak Guitar Clinic teilzunehmen, ist die diesjährige Frankfurter Musikmesse. Es lohnt sich.

-ald

Sonntag, 17. Januar 2010

Freak Kitchen am 06.02.2010 in Gießen

Die Band Freak Kitchen des freundlich-schrägen Gitarrenvirtuosen Mathias "IA" Eklundh mit Björn Fryklund an den Drums und Christer Örtefors am Bass spielt ihr einziges Deutschlandkonzert am 6. Februar in der Hessenhalle Gießen. Organisiert wird das Ganze in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative Gießen (KiG) e.V. Ticketinfos findet man auf der KiG-Website.

Als Appetizer hier ein aktuelles Video von Freak Kitchen: OK.



Freak Kitchen: Teargas Jazz

Donnerstag, 16. August 2007

immer noch König



Am 16.08.1977 starb Elvis Presley.

Mir hat er noch das Singen beigebracht - zumindestens über die Musikkassetten, die ich mir mit 5 oder 6 Jahren kaufen durfte. Meine ersten beiden Musikkassetten. Seit dem hab ich mitgesungen und immer schön den Mundwinkel dabei verzogen ;o) Nur den Hüftschwung müßte ich mal wieder üben...

Sehr zu empfehlen ist die 1969 Memphis Record und die 1968 Comeback Special Edition DVD

Eines meiner Lieblingslieder: Gentle on my Mind...

Danke, Elvis, für Deine Musik.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Einsen für alle

Weshalb ein Mensch als besonders intelligent und begabt betrachtet wird, der eine außerordentliche Befriedigung dadurch empfindet, eine 1 auf einem Blatt Papier stehen zu haben, entzieht sich leider meiner Kenntnis.
Aber für all die intelligenten und begabten Elitestudenten und andere Zahlenfetischisten habe ich ein paar Einsen auf ein Blatt Papier gemalt.

Hier der Scan zum Selberdrucken. Viel Erfolg!



Originale gibt's bei mir.

Dienstag, 16. August 2005

Selbstportrait - Konzeptarbeit und Rätselei

Die Rückseite Gitarre (the muse) trägt ein Ölgemälde.

Was ist denn nun ein Selbstportrait, wenn nicht mehr Kopf, Gesicht und Schultern des Künstlers abgebildet in dessen eigenen Pinselstrichen?

Sind wir jetzt bei der Selbstcharakterisierung? Aber wie lässt sich die denn lesen?
Ist es überhauptnoch Kunst? Oder ist es Künstlichkeit?
Wer kennt denn den Künstler so, wie er sich darstellt - und wie, meinen wir denn, stellt er sich denn dar?

Hier drei kleine Ein-und Ausblicke auf meine Arbeit zum Thema Selbstprotrait.

Öl auf Leinwand, 1mx1m,2005

Alexander-Lars Dallmann

Speedreading: Testing Elixir - Effective, and robust testing for Elixir, and its ecosystem (Andrea Leopardi, and Jeffrey Matthias, series editor: Bruce A. Tate, development editor: Jacquelyn Carter)

Testing Elixir Die späte Schnelleselektüre dauerte fünfundreißig Minuten und zwanzig Sekunden, und ich hatte sie zuvor auf fünfunddreißig Mi...