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Freitag, 23. Mai 2014

Lilienthal - Vom Bauen und Fliegen

Otto Lilienthal wollte fliegen und schwebte immerhin. Sein Bruder Gustav baute das Haus, in der Straße, in der ich aufgewachsen bin. Beide Brüder Pioniere. Gustav erfand Spielzeug, versuchte sich als Kunstpädagoge und baute Häuser; Otto Flugapparate.

Von allem menschlichen Schaffen und Streben sind Bauen und Fliegen fast schon archetypisch. Die Gestaltung von Umwelt zur Wohnwelt und der sinnliche Rausch der Himmel, die Nähe der Sonne, der weite Blick über die Welt.

Mir fiel kürzlich ein wie, möglicherweise, die Traumerfahrung des Fliegens konstruiert wird und weshalb es so schwierig ist, in den Lüften zu bleiben. Als Kind wird man oft u.a. beim Flugzeugspielen hin- und hergehoben. Die Bewegung ist dabei eher sprunghaft, die Höhe meist über den Köpfen der Eltern, die Dauer des Flugs recht kurz. Wen wundert es, wenn die Flugversuche im Traum auf diesen sinnlichen Eindrücken basieren.
Die Konstruktion von Flugreisen im Traum gelingt nur nach Höhenerfahrung, der veränderten Perspektive durch den Blick von Gebäuden, Bäumen, Hügeln usw. und sicherlich auch durch entsprechende Filmaufnahmen (z.B. die Flugszenen in der Serie des kleinen Vampirs.)

Ich träumte als Kind intensiv vom Gitarrespielen. Das ließ mich, wie vieles andere, nicht los. Beim Traumspiel habe ich es dann schließlich nicht belassen. Es wird Zeit, die anderen Dinge anzugehen.

Träumen Menschen, die in den Bergen aufwachsen, anders vom Fliegen? Von Segelflügen durch die Täler? Träumt eigentlich jemand auch vom Häuserbau?

Dienstag, 19. Juli 2011

Kunst ist kein Fastfood - Hiroyuki Masuyama "1000 Blumen" in Gießen

Vom 17. Juli bis 18. September 2011 zeigt die Kunsthalle Gießen in der Ausstellung "1000 Blumen"  Arbeiten von Hiroyuki Masuyama.

Digitale Bilder analog präsentiert.
Mit Handy wiederum digital gewandelt, hochgeladen
und von ihrem Bildschirm analog gewandelt.
Hineingestolpert

Die Notausgangtür war leicht angelehnt. Ich betrat das Gebäude am Berliner Platz und passierte eine Tischgesellschaft, von denen manche mich anblickten, als sei ich ungebetener Gast. Aber ich war Besucher.
In der Kunsthalle stille Atmosphäre, Licht und eine große Kugel, die meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie ruhte dort auf einem weißen Podest. Eine offene Klappe, wie die Luke eines kleinen selbstgebauten Kugel-UFOs, lud mich ohne Worte auf eine Reise ein. Ich sah mich um und setzte mich dann, um mir die Schuhe auszuziehen.
Eine Reisebegleiterin in Schwarz war bei den Vorbereitungen behilflich und schloss die Luke hinter mir.

Mit Leinenhemd vor Hiroyuki Masuyamas Blumen - 17. Juli 2011

Raum und Zeit

Drinnen klingt die Welt anders. Das eigene Flüstern schallt lauter in der Weite des Weltraums. Sterne leuchten um mich herum, tanzen ruhig mit jedem Atemzug.

Draußen eine Blumenwiese, zehntausend Selbstportraits des Künstlers, ebensoviele Galaxien und die 27 Meter lange Dokumentation einer Weltreise. Das alles kann nicht so interessant sein wie die Erfahrung in der Weltraumkugel. Trotzdem verweilen die Besucher vor den leuchtenden Arbeiten, spazieren an den Arbeiten vorbei und verlängern die Wände mit jedem ihrer langsamen Schritte.

Ich liege im Dunkeln, greife mit den Händen nach den Sternen und lausche. Ungeduldige Stimmen in der Warteschlange zur Weltall-Meditation.

"Ist da noch jemand drin?"
"Ja."
"Wie lange dauert das noch."
"Bis der Besucher klopft."

Zur Rezeption der Arbeit "O" gehört es, sich nicht drängeln zu lassen. Es handelt sich um einen inszenierten Meditationsraum.  Es reicht nicht aus, ein schnelles Handy-Foto zu machen, um zu sagen "Ich war hier." Die sinnlich-ästhetische Erfahrung ist kein kurzes Rein und Raus.
Ich klopfe noch lange nicht. Aber viel zu früh.

"O" 
Altered States - Die Kugel im Zentrum erlaubt Einsicht und Aussicht.
Wer hineinsteigt, darf sich Zeit lassen. Kunst ist kein Fastfood.

Ästhetische Erfahrung

Die ästhetische Erfahrung, die Sie gerade machen, könnte ähnlich dieser sein: Sie sitzen auf ihrem Stuhl und starren auf den Bildschirm. Tragen dabei ihre Kleidung, vielleicht eine Tasse in der Hand, die Maus in der anderen. Surren des Lüfters, Zehen in den Flipflops kratzen an der Fußleiste, um das Jucken unter den Nägeln zu beenden. Der Kaffee ist lauwarm, zu kalt eigentlich, riecht aber noch nach 6,99 Euro und soll darum nicht weggeschüttet werden. Im Rücken ein Druck von Kandinsky, goldgerahmt. - Kandinsky, weil es drunter steht. Wie in unzähligen Arztpraxen, die als Ausstellungsräume dieser Kunstdrucke das bedrückende Warten, peinliches Schweigen und das flüchtende Blättern in belanglosen Zeitschriften als ästhetische Erfahrungen dazuschenken. - Auf dem Schreibtisch ein Kaffeeabdruck der Tasse. "O" ein dunkler Ring. Monochromatisches Symbol einer Unendlichkeit. Weggewischt mit Taschentuch oder Hemdärmel.

Wer ästhetische Erfahrungen machen will oder sich fragt, was das genau sei und wo man sie findet, weshalb sie nicht nur in den Kunstunterricht gehören, der kann mit der Wahrnehmung von Selbst und unmittelbarer Umgebung anfangen und ein paar Schritte weiter gehen. In die Kunsthalle Gießen.
Führungen können gebucht werden. Neugierige gehen selbst drauflos. Spontane wandeln die Wartezeit an der Bushaltestelle Berliner Platz in eine Abenteuertour.

Wer möchte darf eigene Fotos mit der Begegnung der Arbeiten einreichen und am Diskurs teilnehmen.
Der Eintritt ist kostenlos und der Besuch nicht umsonst.

Speedreading: Testing Elixir - Effective, and robust testing for Elixir, and its ecosystem (Andrea Leopardi, and Jeffrey Matthias, series editor: Bruce A. Tate, development editor: Jacquelyn Carter)

Testing Elixir Die späte Schnelleselektüre dauerte fünfundreißig Minuten und zwanzig Sekunden, und ich hatte sie zuvor auf fünfunddreißig Mi...