Selbstzeichnung vom 14.05.2011
Kugelschreiber im kleinen orangenen Notizbuch
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Im Rahmen eines Projektseminars an der
JLU Gießen zum Thema "Wege des Musiklernens", sammle und ordne ich zur Zeit autobiographische Fragmente, die zur Bildung des eigenen künstlerisch-musikalischen Selbstkonzeptes beigetragen haben und beitragen.
Wenn ich eine Zeichnung von mir betrachte, dann weiß ich: So, wie ich mich in dieser Zeichnung lese, so gut kann ich garnicht Gitarre spielen. Aber das macht nichts. Ich kann mich so zeichnen, als ob ich es könnte. Das ist wie ein Reisender, der wunderbar von Geschichten erzählt hat, die er so nie erlebte. Ich bin mit Karl May großgeworden und war auf der Lügenbaron Münchhausen-Grundschule - Irgendwas hat da auf mich abgefärbt.
Entscheidend ist dabei: Wer die Selbstinszenierung versteht und anwenden kann, fällt auf den Unsinn anderer Leute nicht so leicht hinein.
Wer mal wieder eine Künstlerbiographie (von Politikern will ich garnicht reden) liest und sich wegen der geistigen Reife, großartigen Frühwerke usw. ganz klein und unbedeutend fühlt, sollte sich einmal kritisch mit der Erzähl- und Darstellungsweise, mit der Inszenierung beschäftigen und anschließend die eigene Lebensgeschichte so erzählen, dass sie einem Leser ebenfalls ganz wunderbar vorkommen muss.
Danach werden Sie aus dem Schmunzeln beim Lesen von Selbstdarstellungen, Pressetexten von Künstlern u.a. nicht mehr herauskommen.