Zeichenzeug und ein neues kleines Notizbuch.
Fast Winter
Die Erde kreist zur Zeit in einem ungünstigen Neigungswinkel um die Sonne, so dass uns hier das Sonnenlicht nur für wenige Stunden erreicht. Falls es nicht von Wolken gefiltert wird und Städte und deren weite Umgebung in diffuses ausgegrautes Licht taucht.
Es ist eine Zeit für künstliches Licht. Kerzen und Lampen, Laternen und Schaufensterbeleuchtung. Fernseher, Monitore und Smartphonedisplays.
Der Drache sitzt derweil auf seinem Felsen und betrachtet sehnend den Mond, der das Licht der Sonne reflektiert und so scheint als leuchte er selbst.
Trickster. Oder doch ein freundlicher Begleiter in der Nacht.
Drache auf Fels (ald) 06.11.2011
Bleistift und Aquarell
Es ist eine Skizze mit Bleistift und Aquarell auf Kopierpapier unterhalb einiger Notizen über Narration bei Rollenspielen und der Perspektive von Spielern und Spielfiguren auf eine erzählte Situation - und bezüglich der Spieler auch auf die Erzählsituation. Solche Notizen sammle ich gelegentlich, um sie im Archiv der
Hausregeln für Rollenspiele zu hinterlegen. Ein langfristiges Projekt, in dem die Narrationsform Rollenspiel beschrieben und untersucht wird - zusammen mit Spielideen und Interpretationen diverser Rollenspielregelsysteme. Mittlerweile ist ja
Skyrim - The Elder Scrolls V erschienen, eines der wenigen Computerrollenspiele, das mich noch interessiert. Ich würde gerne an Story, Gameplay und Konzept eines Computerrollenspiels mitarbeiten, das die Narrationsform von Tischrollenspielen (
Pen&Paper) überträgt oder zumindest von den begrenzten Interaktions- und Narrationsmöglichkeiten bisheriger Spiele abweicht. Die Übertragung auf Computerspiele hat (meiner Meinung nach) bisher nicht überzeugend funktioniert - wie auch jüngste Versuche wie
Drakensang basierend auf dem populären Spielsystem
Das Schwarze Auge zeigen. Immerhin liegt der Spiel-CD auch das Basisregelwerk als PDF-Datei bei.
Kritzelstudien und Landschaften
Eine Seite im kleinen roten Notizbuch.
Landschaften in Kritzeleien zu sehen fällt erstaunlich leicht. Es genügt eine zittrige Linie, um den Horizont auszumachen und im Inneren eröffnet sich eine Landschaft, die erforscht werden kann. Ich beginne eine Reise und über die Reise eine Erzählung. Mühelos.
Eine colorierte Kritzelstudie.
Kugelschreiber und Aquarell.
Solche Kritzelstudien zeigen nicht nur Landschaften, sondern auch seltsame Szenen von unbekannten Objekten, fremden Gestalten und verzerrten Räumen. Trotz ihrer Befremdlichkeit sind sie gegenständlich und im Inneren erlebbar. Das Landschaftserleben im Äußeren wie im Innern scheint mir einen engen Bezug auf kognitive Prozesse und Informationsverarbeitung zu haben. Ich erlebe Informationen als Objekte im inneren Raum und deren Relation und Bewegung zu anderen Objekten in einer weiten Landschaft und mitunter in voneinander getrennten Räumen.
Kunst im Park
Dieses Steintor ist ein Portal in der Landschaft. Es scheint unsinnig - wozu ein Tor, wenn es keine Räume verbindet? - bis man sich dem Tor mit den Sinnen nähert. Wie das Licht darauf spielt, Moos wächst, der Wind darum weht und man hindurchgehen, hinaufklettern oder es in der Ferne passieren kann. Es wirkt jeweils anders. Was man erlebt, wenn man hindurchgeht, erfährt nur, wer es versucht. Vielleicht gibt es ein Lächeln zu entdecken. Das ist wie mit künstlerischen Plastiken im Park. Ein Problem, das ästhetisch-sinnlich verstanden werden kann.
Steintor in der Landschaft.
Eine Plastik - ein Problem.
Künstlerische und mathematische Probleme
Kleine Kritzellandschaft
und ein seltsamer Gedanke.
Woher dieser Gedanke kam, kann ich nicht genau rekonstruieren. Es ist nicht mehr als ein Fragment, das hinterfragt und bestenfalls korrigiert werden kann:
"Probleme, die scheinbar mit Mathematik lösbar sind, lassen sich im Geiste bewegen."
Ich bin mir allerdings sicher, dass ich in den vergangenen Wochen ein Gespräch geführt hatte, das sogenanntes Talent in künstlerischen Disziplinen thematisierte und wir dabei auch auf Mathematik kamen. Aus ihrer allgemeinen Schulerfahrung sprechen manche gerne davon, dass sie Mathe nicht können - und auch kein Talent für Kunst hätten. Unabhängig davon, was dazu zu sagen wäre, behaupte ich, dass Mathematik und Kunst mehr sind als fehlerfrei im Kopf rechnen und eine fiktive Hauptstraße in Fluchtpunktperspektive zeichnen zu können. Probleme verstehen und Lösungsstrategien anwenden. Darum geht es. Wenn man sich verrechnet, wird man das bei der Überprüfung merken. Das gilt auch für künstlerische Probleme.
Fluxkompensator? Ich erinnere mich an eine Nacht, in der ich aus einem Halbschlaftraum aufwachte und über Kugeln und Ellipsoide nachdachte und versuchte eine Art Formel zur Berechnung bliebiger Punkte auf der Oberfläche einer Kugel zu Punkten auf der Oberfläche einer anderen Kugel zu finden. Ich stand auf und fertigte schlaftrunken ein paar Skizzen mit Kugeln in dreidimensionalen Koordinatensystem an. Bis heute habe ich keine Lösung für das Problem gefunden, schmökere aber hin und wieder in meinen Mathematikformelbüchern. Der Bezug zu dem losen Gedanken, dürfte deutlich werden. Ich entdeckte ein Problem, das ich mit Hilfe der Mathematik lösen und deren Lösung mathematisch beschreiben wollte und ich konnte dieses Problem im Geiste bewegen. Denn ich sah und fühlte Kugeln und Ellipsoide im inneren Raum, wie sie sich bewegten und wie einzelne Punkte auf deren Oberflächen Verbindungen zu Punkten auf der Oberfläche anderer Kugeln und Objekte hatten. Durch die Bewegung der Kugeln veränderte sich die Distanz und Relation der einzelnen Punkte.
NASA knows
Jetzt, da ich das schreibe, sehe ich die Kugeln und Ellipsoide als Planeten und Monde und die Punkte als Städte und interstellare Raumstationen. Die Verbindungen sind Strecken und Flugbahnen. Wahrscheinlich hat die NASA mein Problem schon längst gelöst. Ich sollte denen mal eine E-Mail schreiben. Desweiteren fällt mir ein, dass das
Computerspiel Elite II - Final Frontier eine sehr detaillierte Darstellung der Sternensysteme hatte und man Bewegung und Rotation der Planeten und Monde sowie die Flugbahnen zu den Sternhäfen gut verfolgen konnte. Da ich das Spiel gerne spielte, ist hier möglicherweise ein Hinweise darauf, dass die Darstellung von Information (auch in Spielen) kognitive Denkmuster beeinflusst und also erst befähigt, manche Probleme im Geiste zu bewegen.
Wo kommt nun endlich die Mathematik ins Spiel? Sie liefert ein Instrumentarium zur Beschreibung und Lösung des Problems. Die Probleme können spannend, phantasievoll und unterhaltsam sein, oft sogar praktisch - man denke an die Berechnung von Flugbahnen von einem Raumhafen zum nächsten - wer sie lösen will, bedient sich der Mathematik.
Und die Kunst?
So, wie sich Probleme mathematisch lassen, können sie künstlerisch angegangen werden. Das kann eine Fragestellung oder eine Aufgabe sein. Oft sind Aufgaben mit Fragestellungen verknüpft, und es gilt, einzelne Aufgaben als Schritte zum Verstehen und später zur Lösung des Problems zu erkennen und durchzuführen.
Manche Probleme tauchen erst auf, wenn man bestimmte Erfahrungen gemacht hat. Ideen und Probleme sind nicht ohne Kontext. Je nachdem welchen Kontext man wahrnimmt, erkennt man Probleme und Ideen zur Lösung von Problemen oder einfach:
Spielideen.
Hat man eine Anzahl an Objekten und Handlungsmöglichkeiten damit zu hantieren, dann entdeckt man Spielmöglichkeiten. Fast so wie
MacGyver. Der hatte auch viele Probleme und allerlei Zeug, um die Probleme zu lösen. Außerdem hatte er einige Ideen, was er damit anstellen könnte - womöglich weil er in der Schule aufgepasst hat. So jedenfalls die versteckte Propaganda der Sendung. MacGyver war die Sesamstraße für nerdige Teenager in den 80-ern. Eine Aufgabe die zeitgenössisch von Computerspielen übernommen werden müsste, die bislang aber eher für die Tradition von Mythen und derlei genutzt werden.
Ein weiterer Travel-O-Fant auf der Reise.
Zukunftsvision
Science-Fiction ist Gedankenspiel innerhalb eines Kontextes von fiktiver Technologie und utopischer oder dystopischer Gesellschaft und was darin geschehen mag.
Als ich die
Travel-O-Fanten von Claire Mux entdeckte, sah ich damit Fragmente zur Bildung eines Kontextes, in dem gespielt werden kann. Lebendige Maschinen, die mich an die Raumschiffe in
Farscape erinnerten und Elefanten, die die verschollen gegangenen wolligen Mammuts aus dem Abenteuerspiel
Syberia wachriefen. Ich vermute auch eine gruselige Verknüpfung der Entwürfe von Claire Mux mit den nanotechnologischen Zombies aus meinem unvollständigen
automatisch geschriebenen Roman. Dem werde ich nachgehen.
Bisher konnte ich an keine Konstruktionsskizzen der Designerin Claire Mux gelangen, und so bleibt es bei den wenigen Außenansichten, die mich zu sehr an Elefanten und zu wenig an die kybernetisch-hybriden Reisetiere aus dem Hause
Wolpert&Glück erinnern. Ich warte auf Berichte der Reisenden.
Eine liegende Gestalt in Kritzellandschaft.
Sind das Gebüsche oder Rauchwolken?
Vielleicht eine Weltraumreisende nach einem Absturz ihrer Flugmaschine?
Märchenlandschaften
Neben der Science-Fiction gibt es Märchenhaftes und Fantasy, das ich in den Kritzeleien entdecke. Bei den Bäumen dachte ich, dass sie bereits in den bisherigen Skizzen zu sehen waren und z.B. diese Ansicht einer Märchenburg einen weiteren Ausschnitt derselben Landschaft zeigt.
Eine Seite Märchenhaftes.
Burg, Turm und Ritter
- und ein Heißluftballon am Horizont.
Ritter und Turm zeigen eine Szene, die der Geschichte aus meinem
Drachenbilderbuch entnommen ist. Der kleine Ritter ist auf der Suche nach einer Prinzessin. Die Umerzählung einer alten Geschichte.
Boy seeks girl.
Herbstlandschaft und Märchenburg
Am Schluß ein Eigenzitat aus der Reflexion langjähriger Spielleitererfahrung im Rollenspiel und übermäßigen Konsums realitätsferner Filme und Geschichten. Eine Art Affirmation und ein Zen-Rätsel über den Selbstbetrug, in der eigenen eingeschränkten Perspektive auf die Welt, Sinn stiften zu wollen.
"I (want to) believe in happy endings.
And if a story does not have a happy end
- then the last chapter hasn't been told, yet." (ald 15.11.2011)
Ritter und Prinzessinnenturm
"Was ist, wenn der Turm unbewohnt ist?"