"Kunst oder nich'. Hauptsache eena kooft es." (ald)
Also, kieken und koofen.
Kunst oder nicht.Seit einer Weile wandert der Spruch "
Ist das Kunst oder kann das weg?" durch die Komikerlandschaft und wird gerne als Kommentar gebraucht, z.B., wenn die Schimmelpilze die Herrschaft über den Abwasch der letzten Gemüsepfanne an sich gerissen haben.
Es schwingen zwei Dimensionen einer unbrauchbaren Sache mit: das Unverwertbare als Müll und das Unverwertbare als Kunst.
Tatsächlich sieht es anders aus: Müll wird weggeworfen, gelangt in den Müllhandel und wird wieder-, zumindestens weiterverwertet. Kunst bleibt. (Müll auch, aber das ist in diesem Text nicht der Punkt.)
Ist das Kunst? Und wenn nicht, wie kommt es weg?
Kunst bleibt.
Und man muss sich irgendwie damit arrangieren, dass sie bleibt. Z.B. kann man ein Picknick im Schatten der Plastiken im Park machen, oder man macht einen großen Bogen um Museen und Ausstellungen, weil sie gähnend langweilig sein können, oder trifft sich zur gemeinsamen Interpretation von Gedichten.
Manchmal stört Kunst gewaltig. Dann wirft man ihr Chaos vor und versucht sie zu bändigen, in dem man sie an einen sicheren Raum mit anderer Kunst stellt, wohl wissend, dass dort nur wenige hingelangen wollen.
Oft ist Kunst nur ein diffuses Etwas, ein Ding, das in der eigenen Vorstellung wabert wie ein großer Kleisterklumpen in der Schwerelosigkeit einer verrückten Landschaft. Man kann Namen damit verknüpfen und erinnert sich an Picasso, Rembrandt, Beethoven und andere Maler, die ihre Köpfe aus dem Kleisterklumpen stecken und sich leise beschweren, das noch irgendein Auftraggeber seine Rechnung nicht beglichen habe.
Man weiß, dass es Bilder, Skulpturen und derlei gibt, die von Experten als Kunst bezeichnet werden und wundert sich selbst, was so besonders daran sei. Wirft sich gelegentlich fehlende Ahnung vor oder betont, man könnte das besser. (Was gelegentlich sogar stimmt. Das hat nur mit der Sache nichts zu tun.)
Was ist Chaos? Was ist Kunst?
Was ist Ordnung? Wer fragt und wer antwortet?
Manch einer erinnert sich an Kunstunterricht oder Freizeitmalerei, Comicversuche und Bastelarbeiten. Kleine Geschenke, die man einander gemacht hat und die wertvoll bleiben unabhängig des Staubes, den sie sammeln.
Die Dinge, die geschaffen wurden, bewahrte man eine Weile auf und einige ausgewählte Stücke trägt man mit sich, legt sie an einen besonderen Platz in der Wohnung. Sie werden zu Dingen, die bleiben. Dinge, die man behält.
Sie sind Teil des eigenen Lebens und Schaffens. Es mag sein, dass andere kommen und sie weiterverwerten wollen, sei es, um sie dem Wiederwertungskreislauf zuzuführen oder um sie gegen Bezahlung in die eigene Wohnung zu stellen.
Es kann sogar sein, dass jemand die Dinge in ein Museum hängt. Und dann bezahlen Leute Eintritt, um das Ding im Museum zu sehen. Was ist dabei der Unterschied, wenn ein Bild im Museum hängt, oder ein Haufen Altpapier, der als "Installation alter Neuigkeiten" betitelt wird?
Es scheint gerade so, als ob der Umgang der Menschen bestimmend ist, ob die Dinge als Kunst oder Müll betrachtet werden.
Die Wahrheit und die Kunst.
Mal so tun, als ob.
Vielleicht ist dann zunächst nicht die Frage wichtig,
ob das und
was eigentlich überhaupt Kunst sei, sondern, was ich mit den Dingen anstelle:
- Ansehen, weil es mir gefällt.
- Ein Foto von machen, um es zu versenden.
- Ein T-Shirt mit dem Motiv bedrucken.
- Mit Freunden um die Skulptur im Park zur Lieblingsmusik tanzen.
- Vor dem Bild im Museum stehen und singen.
- Alte Briefe von lieben Menschen aufbewahren und heute nochmal lesen.
Oder den Abwasch machen und den Müll rausbringen.
# An dieser Stelle wollte ich den Text beenden. Mir fiel beim Korrekturlesen auf, dass ich bei allem Augenzwinkern noch mit Ernst hinzufügen möchte: Das Schaffen, Bewahren, Sammeln und Archivieren von Dingen ist eine wichtige Tätigkeit. Auch die Auswahl von all dem. Und wenn aus verschiedenen Gründen nicht viel bleiben sollte: "
Ich halte in meinen Händen ein Kleinod, wie das letzte Sandkorn Fantasiens und erzähle daran Lebensgeschichte."