Freitag, 26. Februar 2010

Der Flummi im Klavier - Gießen Improvisers Pool - Konzertbericht

Gießen Improvisers Pool (GIP): Alte Universitätsbibliothek Bismarckstr. 37 - 26.02.2010

Das Trio von rechts nach links: Peter Geisselbrecht (Flügel), Georg Wolf (Kontrabass) und Frank Rühl (E-Gitarre)

Sie machen alles falsch, was Eltern und Musiklehrer bemängeln würden: der Pianist hämmert mit einem Klopömpel auf den Saiten des Flügels, der Bassist macht seinen Kontrabass quietschen und der Gitarrist hängt Krokodilklemmen an die Gitarrensaiten und spielt mit einer Murmel darauf herum. »Was bringt das denn?« Obertöne hervor.

Klangspielzeuge: Flummis, Pinsel, Klopömpel uvm.
Flummis unterschiedlicher Materialien klingen verschieden ...
Auch auf der Gitarre.
Ausprobieren!

Zwei Stuhlreihen für Gäste, davor drei Instrumente: ein Flügel, ein Kontrabass und eine E-Gitarre mit Verstärkercombo. Zwei Strahler beleuchten und markieren neben den Instrumenten den Bühnenbereich, in dem später die Musik gespielt wird. Draußen ist es dunkel, verregnet, eine gute Zeit, um sich zu setzen und Musik zu hören. Heiße Schokolade sollte angeboten werden. Es gibt Bier und Mineralwasser. Das Publikum setzt sich aus angegrauten Erwachsenen zusammen. Als eine Gruppe junger Erwachsener eintritt, wird eine dritte Stuhlreihe aufgestellt und gemeinsam wartet man auf improvisierte Musik. Kein Jazz, keine typische Bluesgitarrenimprovisation, sondern Neue Musik? Die ist garnicht so neu, wie sie immer heißt, aber in diesem Fall frisch improvisiert.

Frank Rühl mit E-Bow an der E-Gitarre

Der Gießen Improvisers Pool wird in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen feiern und begann die diesjährige Konzertreihe mit drei Stücken.
Die erste etwa halbstündige Improvisation erfolgte nach herzlicher Begrüßung der zuhörenden Gäste durch Frank Rühl. Während der Pause konnten zu Gesprächen und Plauderei über improvisierte und Neue Musik Getränke eingenommen werden. Manch einer riskierte einen Blick in das Spielzeugarsenal der Musiker und wollte nur allzu gern selbst einmal einen Flummi ins Klavier werfen. Anschließend spielten die Musiker die zweite Improvisation gefolgt von einer kurzen Zugabe.

Klangspielzeuge für die E-Gitarre: Handventilatoren, Bottlenecks, Fingerhut, E-Bow und Filz

Nicht nur das Zuhören, sondern auch das Zusehen macht Spaß und weckt die Lust, sich an eigenen Improvisationen zu versuchen. Man darf das. Spielen und ernsthaft spielen.

Schade nur, dass niemand wagte, aufzustehen und sich die improvisierenden Musiker von verschiedenen Seiten anzuschauen, ihnen auf die Finger zu blicken, oder durch eigene Bewegung im Raum unterschiedliche Hörperspektiven einzunehmen.
Es ist die angelernte ehrfurchtsame Lähmung: auf dem Stuhl sitzen und Gehorsam leisten, wenn man eigentlich singen, tanzen oder den Raum verlassen wollte!

Wer von der Hörerfahrung improvisierter Musik inspiriert werden möchte, hat dieses Jahr noch Gelegenheit bei weiteren Konzerten zu lauschen und darf sich nach Aussage des GIP auf einige Überraschungen freuen.

Ich kann es uneingeschränkt empfehlen. Es gibt viel zu hören.

Wie hieß der Spruch »Die Götter klappern mit dem Geschirr ...« ?

-ald

Krümelhase - Eat Art

Man soll ja angeblich nicht mit dem Essen spielen, aber mit den Resten ist okay ...

Mittwoch, 10. Februar 2010

Freak Kitchen - Land of the Freaks - Konzertkritik

Gießen, Hessenhalle 4, 06.02.2010

Wer unter Metal noch Krach oder punkigen Dilettantismus versteht, wird spätestens durch Instrumentalvirtuosen wie Mattias »IA« Eklundh (E-Gitarre, Gesang), Björn Fryklund (Drums) und Christer Örtefors (E-Bass, Gesang) eines besseren belehrt.

Das einzige Deutschlandkonzert ihrer Land of the Freaks Tour spielten die drei schwedischen Musiker der Ausnahmeformation Freak Kitchen in Gießen. Warum denn Gießen? Das Gourmetschmankerl zeitgenössischer Rockavantgarde wurde von der Kulturinitiative Gießen e.V. präsentiert, die schon im Vorjahr zu einem Workshop mit dem didaktisch versierten Gitarristen Eklundh eingeladen hatten und sich anlässlich der aktuellen Tour erfolgreich dafür einsetzten, dem hiesigen Publikum einen Einblick in die schwedische Küche zu gewähren.

Während sich die Gäste bei gekühlten Getränken vor der Bühne sammelten, mal laut, mal leise oder durch Fanshirts zur Band bekannten und sich auf das Programm freuten, schallten Rockstücke der Gegenwart aus der PA-Anlage, bis der Abend schließlich eröffnet wurde.

Als Vorspeise wurde die Marburger Band Complex7 gereicht, die wie heutzutage gewohnt schubladenfremden Metal auf hohem Niveau mit Headbangingimpuls und sozialkritischen Texten spielte.

Ein behelmter Bassist mit Stimme, Charme und Bühnenpräsenz.
Wie ebensolche Gitarristen leider eine Seltenheit.

Nach einer kurzen Umbauphase wurde Freak Kitchen unter Beifall angekündigt und die drei Musiker betraten die Bühne. Auffallend der nicht nur publikums-, sondern menschennahe Kontakt: Eine freundliche Ansprache des Gitarristen und Sängers, ein paar Späße des behelmten Bassisten, der Schlagzeuger dezent im Hintergrund. Menschen, die Musik machen. Freakige Vikingermusik, wie sie selbst immer wieder betonen.

Gespielt wurde ein Set mit Titeln sowohl des aktuellen Albums Land of the Freaks als auch bewährte und beliebte Stücke, die die Fans mitsangen, während Gitarristen die Spieltechnik bestaunten und das Equipment des Virtuosen aus der Nähe begutachteten. Seine Apple Horn Signature-Gitarren der Marke Caparison am Röhrenverstärker von Laney. Puristisch ohne Effekte, obgleich manch ein Zuhörer kaum glauben mag, wie man eine schlichte elektrisch verstärkte Gitarre zum Klingen, Heulen und Kreischen bringt. Dazu gibt Mattias Eklundh aufklärende Freak Guitar-Seminare und beschreibt seine Spieltechnik auf seiner Website.

Die Musik von Freak Kitchen mit Einflüssen u.a. aus Metal, Jazz, indischer Musik und Elektronik ist nicht hämmernd laut, sondern dynamisch und die Musiker bewegen sich mit dem Publikum angenehm zwanglos und unverstellt.



Mitklatschen für Fortgeschrittene gab es bei einer experimentellen Einlage handgemachter »Elektrobeatmusik« für Schlagzeug und Kelstone, einer Art Kreuzung aus Chapman Stick und lap steel guitar.
Viele Stücke der Meisterköche sind durch krumme Taktarten und ungewöhnliche Wechsel gekennzeichnet, die für Anhänger von Ozzy Osbourne, Lordi und anderen rockenden Schlagertruppen nur schwer mitzuklatschen sind. Und so wurde ein kurzweiliger Workshop zur musikalischen Weiterbildung des Publikums durchgeführt, nach dem das Eis selbst für den letzten Klatschmuffel gebrochen war.

Mitklatschen für Fortgeschrittene:
Christer und Mattias am Kelstone mit Dunlop WahWah-Pedal
bei experimenteller Musik und musikalischer Elementarlehre


Dass selbst herausragende Musiker sich verspielen können, ist bekannt und wird unter Beifall verziehen, weiß man doch das Handgemachte zu schätzen. So geschehen, wenn Mattias sich nach dem Mitklatschen für Fortgeschrittene im darauffolgenden Stück verzählt und seine Kollegen bittet, neu zu beginnen.

Nach dem Ende der Setlist verlangte das Publikum Zugaben. Die folgten prompt mit dem Kommentar, die Band sei doch nicht extra aus Schweden angereist, um ein einziges Deutschlandkonzert ohne Zugaben zu spielen.

Gut war es. Und in Gießen.

Die nächste Möglichkeit, Mattias Eklundh in Deutschland zu begegnen und an einem Workshop seiner Freak Guitar Clinic teilzunehmen, ist die diesjährige Frankfurter Musikmesse. Es lohnt sich.

-ald

Sonntag, 17. Januar 2010

Freak Kitchen am 06.02.2010 in Gießen

Die Band Freak Kitchen des freundlich-schrägen Gitarrenvirtuosen Mathias "IA" Eklundh mit Björn Fryklund an den Drums und Christer Örtefors am Bass spielt ihr einziges Deutschlandkonzert am 6. Februar in der Hessenhalle Gießen. Organisiert wird das Ganze in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative Gießen (KiG) e.V. Ticketinfos findet man auf der KiG-Website.

Als Appetizer hier ein aktuelles Video von Freak Kitchen: OK.



Freak Kitchen: Teargas Jazz

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Zen Gedankenspiele


Im Geiste bewegst Du Berge. Wie viel müssen Deine Füsse bei jedem Schritt wiegen?

-ald 2008

Freitag, 11. September 2009

Intro in die Nostalgie


Ein Colt für alle Fälle mit der schönen Jody


;o)


Das Vorbild aller Geeks...


Die Vorbilder sämtlicher Chaoten und Autofahrer...


Der Fahnder... mehr muss man nicht sagen!


Der Heldenepos für die Fernfahrer...


Ferrari, Hawaii und schöne Frauen - Ein Traumjob


Die überaus coolsten! Rick Simon forever!

Ein gutes Intro macht die halbe Serie aus...

Mittwoch, 9. September 2009

Dienstag, 18. August 2009

Das kleine schwarze Notizbuch

Tips von Ihrem Lieblingskünstler
Ein kleines schwarzes Notizbuch: 1 Euro.
Bleistift und Kugelschreiber: als Werbegeschenk kostenlos.
Ihre Ideen: Verkäuflich!


In dieser Ausgabe Tips zum Schreiben werde ich auf die Problematik der Schriftstellerei als brotlose Kunst eingehen.

Wer kennt nicht die Geschichten von talentierten Menschen, die unerkannt und erfolglos durchs Leben ziehen, obwohl sie mehr als nur einmal von den Musen geküsst wurden und der Welt wahrlich einprägsame Gedichte, bewegende Geschichten, kraftvolle Drehbücher geben würden, ließe man sie nur!
Oft werden solche Menschen belächelt und zurecht gewiesen: Du wirst nie ein Goethe! Du wirst nie ein Picasso! Du wirst nie ein Jimi Hendrix!
Doch wie viele der Spottenden wurden schon ent-täuscht, wenn sich die Belächelten dann doch erhoben und Ihre Stimme erklingen ließen, ihre Geschichten vortrugen, ihre Bilder zeigten!

Es gibt also Hoffnung!

Damit zu Ihnen:

Lesen Sie viel?
Sind sie fasziniert von guten Geschichten?
Haben Sie auch eine Idee für einen spannenden Roman?
Haben Sie sich bisher nicht getraut, Ihre Geschichten zu veröffentlichen?
Fehlt Ihnen oft einfach die Zeit, wichtige Gedanken und interessante Einfälle aufzuschreiben?
Spüren Sie tief in sich, dass Sie der Welt mehr zu sagen haben, als Einkaufslisten und belanglose Berichte zu schreiben?

Dann fangen Sie noch heute an, Ihre wertvollen Ideen aufzuschreiben, um sie anschließend und zu einer passenden Zeit weiterzubearbeiten und zu vollenden!

Wie das geht?

Ganz einfach! Sämtliche Materialien besitzen Sie entweder schon, oder Sie können sie leicht erwerben.

1. Kaufen Sie sich ein kleines schwarzes Notizbuch!

Tip: Kleine schwarze Notizbücher gibt es schon für 1 Euro (Ich hab meine bei Karstadt in der Schreibwarenabteilung gekauft.)

2. Kaufen Sie sich einen Schreibstift, der zu Ihnen passt!

Extratip: Kugelschreiber und Bleistifte gibt es oft als Werbegeschenke! Aufgepasst und mitgenommen! (Bei IKEA gibt's Bleistifte und im Zuge der diesjährigen Bundestagswahl gibt's Kugelschreiber von den meisten Parteien!)

3. Machen Sie Notizen Ihrer Ideen!

Tip: Notieren Sie sich jeweils das Datum zu jedem Eintrag, damit Sie Ihre Ideen chronologisch nachvollziehen können! Das erleichtert weitere Schritte im Schreibprozess und gewährt Ihnen wichtige Einblicke in Ihren individuellen kreativen Arbeitsprozess!

Unterwegs, am Schreibtisch, neben dem Bett: Das kleine schwarzes Notizbuch ist ständiger Begleiter und verlässliche Alternative zu Netbooks mit kleinen Tastaturen oder sperrigen Notebooks! Leere Akkus und Ärger mit dem Betriebsystem gehören der Vergangenheit an!

Einen Kugelschreiber benötigen Sie sowieso immer und das kleine schwarze Notizbuch passt bald in jede Tasche!

Im Handumdrehen haben Sie Ihre neuesten Ideen verewigt, notieren interessante Ereignisse, Telefonnummern, Produktdetails und verknüpfen diese Informationen spielerisch zu komplexen Kontexten, die Ihnen ganze Welten für Geschichten, Gedichte oder philosophische und spirituelle Texte zu Füßen legen!

Mit dem kleinen schwarzen Notizbuch haben Sie alles in der Hand! Sie sind am Zug!

Starten Sie noch heute das selbstbestimmte bewusste Leben eines Autors! Mit dem kleinen schwarzen Notizbuch und einem kostenlosen Kugelschreiber sind sie grundlegend gewappnet, um schwarz auf weiß zu beweisen, dass Ihre Ideen dazugehören!

Extratip: Wenn Ihnen einmal nichts einfällt, dann notieren Sie doch einfach Ihre Einkaufsliste! Auch dazu ist das kleine schwarze Notizbuch bestens geeignet!

Sie wollen mit Ihren Ideen und Geschichten Freude machen? Mit Ihren Kurzgeschichten und Gedichten zusätzlich Geld verdienen?

Fangen Sie damit an, Notizen zu machen! Lesen Sie Ihre Notizen laut vor!

Lernen Sie wichtige Ideen auswendig und tragen Sie sie vor!

Sie werden hören, wie Ihre Ideen in die Welt hinausschallen und hörbar werden!

Sie hätten es vielleicht nicht geglaubt, aber es kommt alles aus Ihnen!

Tip: Wenn Sie sich einmal nicht sicher sind, steht alles in Ihrem kleinen schwarzen Notizbuch notiert!

Vielleicht fragen Sie sich, weshalb ein kostenloser Kugelschreiber und ein kleines schwarzes Notizbuch die passenden Medien für das Speichern Ihrer Ideen sind?

Ganz einfach! Sie wollen sofort loslegen und verschwenden lieber keine Zeit und kein Geld mit der Suche nach Arbeitsmaterialien, sondern können mit dem kleinen schwarzen Notizbuch schnell, spontan und überall arbeiten! Während andere noch lange grübeln, welche Farbe des Einbands denn am besten für welche Art von Ideen und Notizen geeignet wäre... sind Sie bereits am Ball und nutzen Ihre Chance!

Wenn Sie irgendwann mehr als genug Geld haben, dann können Sie sich auch Notizbücher in edlem Ledereinband mit Goldkante kaufen und mit diamantbesetzten Platinfüllfederhaltern hineinschreiben. Merken Sie sich aber, dass der Inhalt nicht besser wird, wenn die Verpackung was hermacht. Das Paket verkauft sich nur besser.

Früher oder später kommt der ultimative Sell-Out. Authentizität, Originalität werden dann egal, es geht dann um finanziellen Erfolg, um sich endlich eine Karte für eine der nächsten Edelorgien kaufen zu können und in Saus und Braus zu leben. Haben Sie kein schlechtes Gewissen, denn das gehört dazu! Und deswegen gehen Sie diesen Weg!

Richtig gelesen! Sie SIND schon auf dem WEG! Und weil jeder weiß, dass der Weg das Ziel ist, können Sie sich denken, dass es von hier bergauf geht!

Ich wünsche Ihnen eine gute Reise und viel Erfolg!




Und wenn Sie einmal angefangen haben, täglich Notizen zu machen, dann kommt mit der Zeit einiges an Textfragmenten zusammen, die es zu lesen, zu sichten, zu ordnen gilt. Dann folgt ein Selektionsprozess und dabei ausgewählte Fragmente werden weiterbearbeitet bis hin zu einem Produkt, das Sie als gut und fertig zumindest aber als verkaufsfertig bezeichnet werden!

Extratip: Zerfledderte Notizbücher wirken geheimnisvoll und authentisch! Aber bitte nicht absichtlich fleddern! Das wirkt gegenteilig, nämlich total unauthentisch! (Wie ge-age-te/ge-relic-te Vintage Re-Issue Gitarren :)

Lassen Sie sich nicht verarschen. Und wenn Sie das eine oder andere an dem Artikel brauchbar fanden, dann nehmen Sie sich vor dem Halo-Effekt in acht oder auch in neun.

Ein kleines schwarzes Notizbuch ist jedenfalls ein nützliches Werkzeug, ein brauchbares Medium. Kaufen Sie nicht zwei oder drei. Kaufen Sie eins - und schreiben Sie Notizen. Falls Sie Hemmungen haben mit einem unsauberen Strich, einem falschen Kommentar das Notizbuch zu versauen oder Angst vor dem leeren Blatt Papier haben, dann befassen Sie sich doch etwas mit meinem AutoWrite-Projekt. Da geht's nämlich um etwas, das Ihnen in der Schule sicher erfolgreich ausgetrieben wurde: hemmungsloses Krikelkrakel, Schreibversuche, sogenannte Fehler und das Ablegen innerer Zensur.

Schreiben Sie! Ein Lektorat gibt es immer. Allerdings erst nach dem Schreiben!

Tip: Viele Werke im Kanon der Weltliteratur sind im Lektorat erst zu dem geworden, was sie heute sind! Nehmen Sie Kritik ernst, aber lassen Sie sich nicht durch eine, zwei oder hundert Absagen verunsichern! Sondern nehmen Sie sich vor, die Spottenden zu ent-täuschen!

Montag, 17. August 2009

on writing - stumble upon

Mein kleines schwarzes Notizbuch. So zerfleddert wie die festgehaltenen Fragmente im Innern.

Stumble Upon machte den Irrsinn des weltweiten Netzes erst richtig zugänglich. Während man bei Verwendung herkömmlicher Methoden die Suchmaschinenmonster mit mühselig gewählten Begriffen füttern musste, bevor man mit etwas Glück auf eine interessante Seite stoßen konnte, bekommt man mit Stumble Upon Internetseiten nach Vorauswahl bestimmter Lieblingsthemen empfohlen.

Zu meinen Präferenzen gehörten bis vor kurzem noch Rezepte. Keine Ahnung warum. Es schien mir das Richtige zu sein, auch über interessante Rezeptseiten informiert zu werden. Mit jeder weiteren Rezeptseite, die mir Huhn, Fisch, Muffins und Nudeln in allen erdenklichen Zubereitungsweisen vor die hungrigen Computeraugen hielt, wuchs meine Ungeduld. Und ich klickte weiter... und erhielt weitere Rezepte für Schokokuchen, Trennkost, Reverse-Engineered Fast Food für Zuhause. Kann ja jeder machen wir er will. Jedenfalls wollte ich keine Rezepte mehr sehen.

Die Rezepte wurden aus meinen Präferenzen entfernt.

Seite einiger Zeit droht ein weiteres Interessengebiet aus meiner Liste zu fallen: Writing.

Quasi jeder zweite oder dritte Klick auf den Stumblebutton wirft mich auf eine Seite mit Tips, Anregungen und lustigen Anekdoten zum Schreiben.

Romane schreiben, Bewerbungen schreiben, Gedichte schreiben, Briefe schreiben, Bestseller schreiben, Liebesbriefe schreiben, Grußkarten schreiben, Essays schreiben, Berichte schreiben, Zeitungsartikel schreiben, Kurzgeschichten schreiben, Science-Fiction schreiben, Fantasy schreiben etc. pp undundund usw. usf.

Hinzu kommen die hundert wichtigsten Top-10-Listen der häufigsten Anfängerfehler, Stilblüten, Kunstgriffe, dicht gefolgt von ellenlangen Sammlungen an Zitaten irgendwelcher Schriftsteller, Autoren und Kritiker.

Damit nicht genug, tummeln sich unter den wertvollen Empfehlungen auch noch zahlreiche Ratgeber, die ganze Bücher über das Schreiben verfasst haben und nun für unglaubliche 25,99 Euro zum Sonderpreis verkaufen! Die vermeintlichen Verkaufsseiten strotzen nur so von den Versuchen, dem geneigten Leser mittels NLP nen Knopf an die Backe zu labern, während man so gut wie kein Beispiel der exzellenten Texte, die die Ratgeber eigentlich selbst verfasst haben sollten, zu Lesen bekommt.

Es kann ja sein, dass das Universum mir mit diesen Seitenempfehlungen etwas mitteilen möchte. Ich bin bereit Universum - lass mich Deine Stimme sein ;) . Es kommt mir jedoch merkwürdig vor, dass die Ratgeberseiten zum Schreiben eines unterschlagen: die Dokumentation des kreativen Schreibprozesses, Schreibskizzen und die ganzen "Fehler", die beim Schreiben anfallen. Was macht man denn damit, mmh?

Was alle Ratgeber mitteilen, ist der Imperativ der Selektion: Geschriebenes zu vereinfachen, die sog. Lesbarkeit zu erhöhen - was kaum etwas anderes ist, als formale Kriterien zu berücksichtigen. Und bei weitem noch keinen besonderen Text ausmacht. Der ganze Mist an unnötiger Information wird aus den vielen undurchsichtigen Sätzen komplexer grammatikalischer Struktur quasi wie beim Unkrautjäten durchstöbert und alles, was nach Ansicht der Ratgeber nicht glänzt, wird ausgerupft und weggeworfen, bis gegen Ende dieses Wortmassakers nur mehr ein kleiner harmloser Rest übrigbleibt, der sich auch noch leicht ver kaufen lässt!

Nun denn. Die Schreibtips werden gestrichen. Derweil schreibe ich weiter unleserliche Notizen mit kleinen gekritzelten Illustrationen in mein kleines schwarzes Büchlein, bis die gesammelten Fragmente eines Tages gesichtet und zusammengefügt werden und daraus nette kleine Texte entstehen.

Im übrigen habe ich ein wirklich interessantes Rezept ganz nach der guten alten Googlemethode gefunden. Makronentörtchen. Diese kleinen Marzipanleckereien, die es leider kaum noch zu kaufen gibt.

Eine Schande.

AutoWrite 33 - Bröckeleien

Speedreading: Testing Elixir - Effective, and robust testing for Elixir, and its ecosystem (Andrea Leopardi, and Jeffrey Matthias, series editor: Bruce A. Tate, development editor: Jacquelyn Carter)

Testing Elixir Die späte Schnelleselektüre dauerte fünfundreißig Minuten und zwanzig Sekunden, und ich hatte sie zuvor auf fünfunddreißig Mi...